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„Das sind doch meine Freunde“

2007  war ich noch eine junge Redakteurin bei der ARD und habe einen Film betreut, der hieß Der Hochzeitswalzer, eine ganz bezaubernde Romantic Comedy, in der es um Musik und ums Essen geht. Was braucht man mehr? Ess natürlich auch um Liebe und er wurde in meiner alten Heimat, in Wiesbaden und dem Rheingau gedreht. In diesem Film taucht neben Chiara Schoras und Stephan Luca eine junge Schauspielerin auf, die ich noch nicht kannte, Johanna Mildner, die mit viele Liebe und Charme eine Pâtissière spielte und mit Hingabe Pralinen tauchte und verzierte… hmmmm. Allein vom Zusehen hatte man schon Schokoladenduft in der Nase.
Im Gespräch stellte sich heraus, dass Johanne nicht aus Berlin oder München kam, wie die anderen Schauspieler, sondern aus Alsfeld. Natürlich wusste ich 2007 noch nicht, dass ich schon 6 Jahre später ganz in der Nähe leben würde. Und ich wusste auch nicht, dass wir uns 12 Jahre später ebendort über den Weg laufen würden.
Warum erzähle ich das?
Deshalb erzähle ich das:
Johanna Mildner ist von der schokoladentauchenden Patissière für mich nun in der Rolle ihres Lebens angekommen: sie ist Buchhändlerin!

Wenn jemand heutzutage einen Buchladen eröffnet, dann ist er schon eine ziemliche mutige Heldengeschichte. Und Johanna Mildner und Barbara Möser von  der Buchhandlung Lesenswert in Alsfeld haben hiermit Heldinnenstatus erreicht. Und weil man es als Schriftstellerin ohne BuchhändlerInnen schwerer hat als mit, und eine neue Buchhandlung Anlass zu großer Freude ist, haben meine Alsfelder Kollegin Traudi Schlitt und ich zur Eröffnungsfeier eine klitzekleine Willkommenslesung gehalten. Ich habe aus meinen Roman Ziemlich beste Freundinnen gelesen und Traudi hat extra für diesen Tag einen Blogbeitrag über ihre ziemlich besten Freundinnen, die Bücher, verfasst und vorgelesen. Und es war großartig und absolut LESENSWERT und ist jetzt hier bei mir nachzulesen: Mein Freund, das Buch 
Ich habe herzlich gelacht und mir auch ein Tränchen der Rührung aus dem Augenwinkel wischen müssen, und soweit ich das erkennen konnte mit meinem etwas verschleierten Blick, ging es den beiden Buchhändlerinnen ganz genauso.

A prospos… Bücher und Freunde: die Tochter von Freunden beschwerte sich mal bitter bei mir, dass ihre Mutter ihre Kinderbücher aus dem Kinderzimmer wegräumen wolle, weil sie jetzt ja älter sei, und man Regalplatz brauche. „Kannst du dir das vorstellen?“, fragte sie mit entgeistert aufgerissenen Augen. Ich schüttelte den Kopf und dachte an die Bücherstapel neben meinem Bett. Neben meinem Sofa. Neben meinem Schreibtisch. „Das geht nicht“, empörte sie sich: „Das sind doch meine Freunde!“ Recht hatte sie.

Also, auf die Freunde! Auf die Bücher!

astridruppert

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