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Leuchtende Tage – Wie war das damals… und wie verwalte ich eigentlich die Informationen aus meiner Recherche?

Über das „Wie war das damals“ habe ich viel gelesen, wahnsinnig viel gelesen, angeschaut, durchgeblättert, gegoogelt und gesucht. Habe mich durch Archive gewühlt, habe mir auch angehört, ich hätte ja anscheinend wenig Archiverfahrung? Stimmt genau… verlegenes Lächeln. Dass man das so schnell merkt.
Aber wie ich die Informationen verwalte? Dafür habe ich tatsächlich keine befriedigende Antwort gefunden.

Ich wünsche mir manchmal ein Zweithirn. Und dieses Zweithirn wäre dann nur für den Roman da, und enthielte alle Informationen in einem Registersystem, das es mir total leicht macht, alles sofort wiederzufinden, was ich jemals dort abgelegt habe. Das wäre eigentlich fürs ganze Leben überaus nützlich.
Oder vielleicht auch nicht.
Manche Sachen will man ja auch einfach mal getrost vergessen.
(Zum Beispiel den Tag, als ich bei meiner allerersten, offiziellen Drehbuchbesprechung als frischgeschlüpfte Drehbuchautorin den Produzenten in den Flur gekotzt habe, weil ich viel zu lange tapfer sein wollte und zwei Stunden lang so getan habe, als hätte ich kein Fieber, keinen Schüttelfrost und vor allem keine Übelkeit… das Bild dieses Flurs würde ich tatsächlich gerne vergessen. Ich bin nämlich auch noch gerannt.)
Aber zurück zum Register: es wäre doch großartig, immer alles parat zu haben, in dem Moment, in dem man die Information braucht.
In Ermangelung meines Zweithirns behelfe ich mir mit
1) einem Zettelkasten (darin herrscht genauso viel buntes, assoziatives Durcheinander wie in meinem Kopf!)
2) einem Heft, was ich immer dabei habe, damit kein genialer Gedanke verlorengeht
3) einem Buch, in das zuhause dann alles übertragen wird, was unterwegs nicht verloren gegangen ist und
4) einer Pinnwand, die vor allem all das sichtbar machen soll, was sonst gerne verschwindet
5) einer Bilderwand Leuchtende Tage bei Pinterest, auf der sich viele visuelle Inspirationen finden
6) Post-its in Büchern an relevanten Stellen, manchmal mit Stichwort, manchmal ohne, so dass ich gelegentlich grübele, was mir dieser Zettel eigentlich sagen wollte?
7) Mindmaps, auf denen sich die inneren Verbindungen und Assoziationen darstellen, die sich aber eigentlich in dem Moment, in dem sie fertig sind, schon selbst überholt haben…

Es ist alles ein Behelf. Und ich frage mich täglich, wie ich die Gedanken und Infos aus dem Zettelkasten nicht vergesse, wie ich alle Seiten meines  Notizbuches gleichzeitig sichtbar vor mir haben kann und dabei dennoch noch frei assoziiere, um meinen Figuren auf ihrem Weg durch ihre Geschichte einfach hinterherlaufen zu können, und sie nicht mit Informationen so voll und schwer zu beladen, dass sie jede Spontaneität verlieren.
Ich muss einfach damit leben, dass verdammt viel verloren geht.

Wenn ich das perfekte System hätte, oder ein perfekt funktionierendes Zweithirn, mein Gott, wer weiß, was und wie ich dann schreiben würde? Und würde es mir dann überhaupt Spaß machen? Denn wenn ich zum Beispiel plötzlich und unverhofft eine Idee wiederfinde, die ich vor einem halben Jahr schon mal hatte, die mir aber genau in diesem Moment den Weg weist, wie ich aus dem Dschungel wieder herausfinde, in den ich mich hineingeschrieben habe – ach, das sind Momente, die kann man nur als golden bezeichnen! Und die gäbe es ja dann gar nicht…

Das Photo ist wie die meisten Photos auf meiner Seite von (c) Peter Porst

 

 

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