Schreibrituale


Vor einer Weile hat meine Kollegin Julia in unserer Autorenrunde gefragt, ob wir besondere Schreibrituale haben? Ja! Habe ich!
Hier ist, was ich ihr geantwortet habe:

Ich schreibe am liebsten vor dem Aufstehen, mit einer Tasse Tee im Bett, direkt aus der Nacht kommend sozusagen, ohne dass ich schon gesprochen oder irgendwas erledigt habe… da habe ich das Gefühl, ganz nah an meinen Figuren zu sein und ein bisschen wie im Traum geleitet zu werden. Irgendwann treibt mich der Hunger dann in den Tag, aber diese ersten 1-2 Stunden sind sehr kostbar und sehr produktiv. Aber: es ist nicht immer leicht, sich diesen Raum zu nehmen! Und manchmal lese ich abends was ich morgens geschrieben habe und denke: war ich da schon richtig wach?

Am Schreibtisch mache ich es mir schön. Frische Blumen, Tee, schönes Licht. Manchmal – das ist jetzt ein bisschen gaga, aber ich sags trotzdem: lackiere ich mir die Nägel, weil es mir irgendwie Spaß macht, wenn dann bunte Punkte über die Tastatur flitzen. Bewegung hilft mir auch, mit Gedanken in Bewegung zu kommen, wenn es mal stockt: ich gehe gern spazieren oder in den Garten oder ich räume auf, da kommen dann meistens wieder neue Ideen…. dabei rede ich auch vor mich hin und hoffe, dass mich keiner hört. Leihe mir gerne den Nachbarshund zum Spazierengehen, weil ich dann so tun kann, als ob ich mit ihm rede…“

Und wer sich dafür interessiert, welche Schreibrituale die anderen 27 Autorinnen haben, die befragt wurden, kann dies hier in Julias Blog xoJulia erfahren: Zum Blogartikel

Ich habe mir immer vorgestellt, ich würde als Schriftstellerin einen ganz geregelten Tagesablauf haben.
Mein Schreibritual wäre dann, mich jeden Tag zur gewohnten Zeit an den Schreibtisch zu setzen, neben mir der Tee, vor mir der Bildschirm. Und los!
Es gibt sicher viele Schriftsteller, die jeden Tag so regelmäßig von – bis schreiben. Ich stelle mir das toll vor! Ich würde das so gerne auch so machen.
Und ich habe es auch schon oft versucht, so zu arbeiten. Aber ich kann es einfach nicht.
Ich schreibe morgens. Ich schreibe auch mal mittags. Ich schreibe nachts. Manchmal fange ich erst um Mitternacht richtig an.
Ich schreibe im Urlaub. Und an Sonntagen.
Manchmal muss ich spazierengehen und Bewegung haben, um schreiben zu können. Manchmal muss ich ganz stillsitzen und brüten.
Manchmal brauche ich Regentage, manchmal geht es besser an den Sonnentagen. Manchmal brauche ich absolute Ruhe, manchmal kann ich im lauten Zugabteil oder im trubeligen Café wesentlich besser schreiben als in der stillen Abgeschiedenheit.
Manchmal möchte ich nur ganz kurz etwas nachlesen und – schwupps – bleibe ich im Text hängen, und komme erst drei Stunden später wieder zurück ins Hier und Jetzt.
Manchmal würde ich gerne schreiben und kann nicht.
Manchmal würde ich auch gerne nicht schreiben. Aber das kann ich genausowenig.