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Fragmente, Mosaike und wann weiß ich: DAS wird ein neuer Roman…?

In Cefalu in Sizilien gibt es den Duomo, der für mich zu den schönsten Kirchen zählt, die ich gesehen habe bisher. Lange stand ich im Seitenschiff vor den Wandornamenten und Bildern, die zwar restauriert, aber nicht rekonstruiert wurden. Trotzdem, man sieht ein Fragment, eine Hand, ein Gesicht, und man kann ahnen, wie die Figur dazu aussehen könnte. Eine Pflanze, die einen Garten erzählt, ein Stern, für den ganzen großen weiten Himmel…. Ich schaue auf die Schnipsel, wie auf die übrig gebliebenen Teilchen eines großen Puzzles und ergänze im Kopf die weißen Leerstellen zwischen den bunten Fragmenten. Eine Welt entsteht.

Das ist wie Schreiben, dachte ich, als ich dort stand. Am Beginn eines Romans weiß ich auch nicht viel mehr, als das, was ich hier sehen konnte. Auch da gibt es kleine Momente, Emotionen, Bilder: Schnipsel, die hartnäckig wiederkommen, bis ich weiß, dass ich all diesen Schnipseln schreibend nachspüren will. Warum tauchen diese Schnipsel immer wieder auf? Was interessiert mich an ihnen? So beginnt für mich die Arbeit an einem neuen Roman.

Letztens habe ich ein wunderbares Interview gesehen: David Lynch wurde von Patti Smith gefragt, wie er auf die Ideen für seine Arbeit kommt. Ach, es ist so schön, klugen Menschen zuzuhören! Er hat geantwortet, dass er so etwas ein Puzzleteil findet, und dann versucht, das gesamte Puzzle dazu wiederherzustellen. Da habe ich mich sofort wiedererkannt. David Lynch sagte weiter, dass er glaubt, dass es das Puzzle, aus dem das verlorene Teil stammt, schon ewig gibt, dass er aber nicht weiß wo, und es deshalb nachbaut in seinen Filmen. Das ist ein interessanter Gedanke, oder?

Ist alles schon einmal gedacht und erarbeitet und erschaffen?
Besteht unsere Aufgabe als Künstler darin, zu sammeln, nach Schätzen zu tauchen, um das große Ganze wiederherzustellen?
Ist alles was wir schreiben, schöpfen und kreieren eigentlich eine Wiederherstellung?

Egal. Ich versuche jetzt mal, meine Schnipsel zu erkunden, und zu schauen, ob ein neuer Roman daraus wird… das ist spannend und aufregend zugleich. Wenn ich eine Datei erstelle, und weiß dass hier jetzt etwas beginnt, was mich die nächsten Monate beschäftigt, bekomme ich Herzklopfen. Da sitze ich alleine in der Stille an meinem Schreibtisch. Trotzdem bin ich so aufgeregt, als würde ich gerade einen Thriller gucken.
Jedesmal Zweifel: schaffe ich das?
Jedesmal Neugierde: was kommt dabei heraus?
Und jedesmal: riesige Vorfreude.

Hesse hat so recht: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… „

astridruppert

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