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Obendrüber da schneit es

„Obendrüber da schneit es“ macht mich dieses Jahr sehr nachdenklich.
Bei aller Freude darüber, dass der Film wiederholt wird, als Weihnachtsklassiker  bezeichnet wird, dass das Buch anscheinend bei Buchgrossisten letzte Woche vergriffen war, ja, bei aller Freude darüber, die ich gerne mit euch teile, gibt es noch zwei Gedanken, die ich auch mit euch teilen möchte.
Grade erleben wir die dunkelsten Tage des Jahres, und mir geht es tatsächlich ein bisschen so wie Miriam zu Beginn des Buches, Zitat siehe oben… Und ich glaube es geht dieses Jahr vielen von uns so.
Die Dunkelheit setzt mir zu, so wie dieses ganze Jahr mir jetzt allmählich zusetzt. Auf der letzte Strecke wird es nochmal schwerer. Ich war eigentlich wochen-, monatelang ziemlich tapfer, vernünftig, gewissenhaft, moderat, habe die vielen Absagen, die Reduktion, den Rückzug gut bewältigt, habe viel geschrieben, bin trotzdem nicht gut vorangekommen, egal. Ich brauche jetzt die Hoffnung auf Licht, ich will jetzt die Sternschnuppen sehen und ich will spüren, dass es wieder heller wird.
Ab morgen wird es jeden Tag einen Hahnenschrei später dunkel und einen Hahnenschrei früher hell.
Aber bis wir wieder zusammen an großen Tischen sitzen und sorglos lachen, ohne die Aerosole dabei tanzen zu sehen, uns unbesorgt umarmen, „unser Herzlein Gepoch spüren“, wie die drei Spatzen im Haselstrauch im titelgebenden Morgensterngedicht, vielleicht auch einmal zu viel Herzlein spüren, oder zu nah zusammenrücken….  das wird noch dauern. Und dazu braucht es nochmal viel Geduld und viele, viele Sternschnuppen…. und so viel mehr Licht und Schnee, als ich uns allen in „Obendrüber da schneit es“ schenken wollte.
Der zweite Gedanke folgt gleich darauf. Ich wollte mit dieser Geschichte ein Weihnachtsmärchen für alle schreiben. Für die Liebenden, die Getrennten, Glücklichen, die Traurigen, die Einsamen, die, die alles im Griff haben wollen, und die, die nichts mehr zu verlieren haben, weil Weihnachten wie ein Brennglas all diese Gefühle und Stimmungen herausarbeitet… Aber mit einer doch halbwegs realistischen Auflösung: Wenn die Türen sich öffnen, wird alles besser! Da ist doch so! Davon bin ich überzeugt! Oder war es zumindest immer…
Und jetzt wird mir bewusst, dass die Geschichte dieses Jahr ein wirklich komplett unwahrscheinliches Märchen ist, das nirgendwo so – oder auch nur im Bruchteil so ähnlich vorkommen könnte. Denn dieses Jahr bleiben die Türen zu.
„Öffnet mir die Türen, lasst mich nicht erfrieren.“
Nein.
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“
Nein.
Und das, liebe Leute, das setzt mir richtig zu. Und ich hoffe, dass wir nicht verlernen, wie das geht, Türen aufzumachen. Herzen aufzumachen. Und deshalb ist das unwahrscheinliche Märchen dieses Jahr vielleicht auch besonders schön, auch wenn es vielleicht genau deshalb auch besonders traurig ist? Ich mache es aber trotzdem!
Und ich wünsche uns gerade deshalb allen ein Weihnachtsfest der offenen Herzen.
Und für das nächste Jahr uns allen ein bisschen mehr Wildheit, Ausgelassenheit, Unvernunft und spontane Reisen … weil wir im Laufe des nächsten Jahres vielleicht wirklich irgendwann niemanden mehr dadurch gefährden…
Frohe Weihnachten!
Die Sendetermine für den Film sind übrigens:
23.12.2020 22.15 im ZDF
24.12.2020 17.30 auf 3sat
oder in der ZDF Mediathek
astridruppert

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