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Paulas Playlist

„Sängerin? Das ist doch kein Beruf?“ In dem hessischen Dorf, in dem Paula in der Nachkriegszeit aufwächst, hat man wenig Verständnis für ihre hochfliegenden Pläne. „Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“ „Jetzt sei doch mal zufrieden!“ „Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast!“ Aber Paula will nicht wissen, wie gut sie es hat, sie ist nicht zufrieden. Paula will mehr, sie will raus, sie will Musik machen!

Mitte der 60er Jahre träumt Paula davon, als Sängerin erfolgreich zu sein.  Das Ende der 1960er als auch die Roaring Seventies waren eine Zeit des Aufbruchs und der Rebellion. Die Jugend begann sich von alten Konventionen loszureißen, sich auszuprobieren und sich ein Gehör zu schaffen. Das lähmende Schweigen, das bleischwer über den Kriegsjahren lag, musste zerrissen werden. Der Beat war genau das richtige dafür. Die Musik der Beatles war etwas völlig Neues, das die Jugend mitriss und begeisterte, es schossen immer mehr Beatbands aus dem Boden – beinahe hätte ich gesagt, wie Pilze! Wenn man heute sieht, wie brav die Pilzköpfe in ihren Anzügen Musik machten, kann man sich kaum vorstellen, dass die erste Single der Band aus Liverpool, „Love me do“ etwas Revolutionäres war, das sogar eine Meldung in der Tagesschau wert war. Und sogar der Ansager für die erste Sendung des Beatclub im Deutschen Fernsehen – ja, damals gab es noch Ansager für jede Sendung… – bat das Publikum um Nachsicht für diese wilde Beatmusik, die die Jugend so sehr mitriss…

Mit den Rolling Stones ging es dann bald schon wilder zu, die Musik, die Texte, die Band: Alles war unangepasster und unbändiger und die Musikszene teilte sich in die Beatles- und die Stones-Fans: ekstatische Fans in beiden Lagern garantiert.

Auf dem Spotify Kanal von dtv findet man Paulas Musik, die in dem Roman vorkommt, zum Mithören.
Und Mitsingen, natürlich!
Also, Möbel zur Seite schieben, und auf diesem Kanal die Musik aufdrehen!

Es beginnt mit: Conny Froboess´ Pack die Badehose ein, geht weiter mit Caterina Valente: Spiel noch einmal für mich Habanero… Dann kommen schon die Beatles, die mit Love me do für Paulas musikalisches Erweckungserlebnis sorgen, nach dem nichts mehr ist wie vorher. Die Liverbirds, eine Frauenband aus Liverpool, haben es Paula besonders angetan, weil endlich mal junge Frauen auf der Bühne stehen. Sie covern Love hurts und schreiben Why do you hang around me.
Time is on my side von den Rolling Stones trifft natürlich genau den Nerv der Jugend im Aufbruch: jetzt endlich haben sie das Gefühl, dass ihre Zeit beginnt, dass der Generationenwechsel zu ihren Gunsten ausgeht. Natürlich gehören Bob Dylan mit Don´t think twice, it´s alright und Nancy Sinatras These boots are made for walking genauso dazu wie die Animals, The Who, The Doors und natürlich Carole King, die für Paula lange so etwas wie ein Vorbild war.

Im Londoner Notting Hill, das in den 70er Jahren ein vibrierender Stadtteil voller Künstler, Musiker, Einwanderer aus der Karibik, voller besetzter Häuser, bröckelnder Fassaden und unbändiger Lebensfreude war, lebte Paula in meiner Vorstellung in einem Haus wie diesem, machte Musik, sang und hoffte darauf, entdeckt zu werden…

 

 

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