In letzten Jahren habe ich viel Langstrecke geschrieben. Fast 5 Jahre habe ich an der Trilogie über die Winterfrauen gearbeitet, die ich inzwischen fast besser kenne als meine eigene Familie. “Unterm Apfelbaum” hat mich von der ersten Idee bis zur Fertigstellung und Sendung der zwei Filme, plus des Spinoffs “Zimmer ins Grünen” auch fast 5 Jahre begleitet.
Die Verfilmung der Trilogie hat sich auch noch dazwischen gemogelt und mich ein weiteres Jahr ins Universum der Winterfrauen geholt.
Bis der Kopf wieder frei war für neue Ideen habe ich mich einem wunderbaren und zur Abwechslung einmal ganz überschaubaren, kleinen Projekt gewidmet: NEBENAN LEBEN.
Nebenan leben, das ist Kurzstrecke. Anderthalb Hände voll Kurzgeschichten habe ich in dem kleinen, feinen Band versammelt. Sie stammen allesamt aus der Anfangszeit meines Schreibens. Wer meinen letzten Magazinbeitrag hier über “Die Botschaft der Pfefferminzpastillen” und das Kind mit zu viel Phantasie noch nicht gelesen hat, kann das genau jetzt nachholen und dann hier weiterlesen! Denn die Kurzgeschichten in diesem Band habe ich mit dem dort beschriebenen klopfendem Herzen geschrieben.Nebenan leben war meine allererste Kurzgeschichte. Als ich sie schrieb, wusste ich noch gar nicht, ob ich das überhaupt kann und habe mich gefragt, ob es mir wohl gelingen könnte, einen Erzählbogen zu spannen und auch zu Ende zu bringen? Kann ich das? Erst viel später ist mir klar geworden, dass mein Unterbewusstsein an dieser Geschichte kräftig mitgeschrieben hat. Es ist unglaublich, dass mir das erst Jahre später klar wurde: Die Frau, die aus Versehen im Haus nebenan landet, das bin ich ja ich! Ich werfe hier einen Blick in das mögliche Leben, das schon immer neben meinem Leben lag: ein Leben als Schriftstellerin. Dies ist ein guter Beweis dafür, dass man Schriftsteller nie fragen sollte, was sie uns eigentlich sagen wollen mit ihrem Schreiben. Oft wissen sie es einfach nicht, weil das Unterbewusste viel stärker lenkt als man so denkt. Die Kurzgeschichte Nebenan leben ist noch in einer weiteren Hinsicht für mich sehr besonders. Es ist die erste Geschichte, die ich an eine Literaturzeitschrift geschickt habe, und sie wurde angenommen. Das war so ein Moment, den ich nicht vergessen werde: mein Name gedruckt vorne auf der Zeitschrift Macondo, die es inzwischen leider nicht mehr gibt… Natürlich musste diese Geschichte der Sammlung den Titel geben. Er passt aber auch deshalb besonders gut, weil in jeder Geschichte eine Figur ein “nebenan” für sich findet, eine Möglichkeit, die bisher verborgen war, oder unerreichbar schien.
Mit diesen Geschichten habe ich also die aufregende Welt des Schreibens betreten, sie haben allein schon deshalb eine ganz besondere Bedeutung für mich. Wenn ich sie lese, erinnere ich mich sofort an das aufregende Gefühl, mit Worten Momente zu erschaffen, Momente, die ein Bedeutung für die Figur in der Geschichte haben. Ich habe es sehr geliebt, die Figur an einem Moment zu beobachten, an denen sich etwas verschiebt im Leben der Figur, nur etwas Kleines, ein kurzer Perspektivwechsel, eine Wahrnehmung, die sich verändert, eine Erinnerung, die plötzlich auftaucht. Und ich liebe genau das immer noch, es ist mein Schreibmotor geblieben.
Gerade weil ich so emotional an den Geschichten hänge, war es mir eine Herzensangelegenheit, sie aus dem Schubladenschlaf zu erwecken und auf die Reise in die Welt zu schicken.
Das Buch ist in Koproduktion mit guten Freunden entstanden, die sie in Lektorat, Korrektorat und Satz unterstützt haben. Rita Hummel und Michael Zuch von Satzmeer haben mit Sorgfalt und Liebe dafür gesorgt, dass bei BoD erschienene Buch richtig schön geworden ist. Ein flamingofarbenes Herzensbuch. Ich habe den Weg des Selfpublishing aus verschiedenen Gründen gewählt, einer davon ist der, dass es einfach schwierig ist, einen so kleinen Band mit Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Bei Die Bestimmung der Eisscholle habe ich unschöne Erfahrung gemacht, die wollte ich mir dieses Mal ersparen. Michael Zuch hat unter enso auch seine eigenen Geschichten veröffentlicht und ich habe mich sehr gefreut, dass ich mit ihm unter dieses kleine Dach schlüpfen durfte. enso bezeichnet ein zentrales Symbol der japanischen Kalligraphie und bedeutet wörtlich Kreis. Es wird in einem einzigen, spontanen Pinselstrich gezeichnet und steht somit für den Moment, den momentanen, aufmerksamen Zustand des Schaffens. Das hat mir gut gefallen.
Das Bild auf dem Cover stammt von meinem Mann Börries Hahn der dafür den mehrfarbigen Linoldruck „Seite an Seite“ geschaffen hat. Es gibt eine variable Reihe dieser wunderbaren kleinformatigen Drucke, und wer ein Original zum Buch dazu erwerben möchte, kann mich gerne kontaktieren.
Was hat sich verändert, seit ich diese ersten Geschichten geschrieben habe? Gar nicht so viel. Jede Geschichte beginnt mit einem leeren Blatt Papier und jedes Mal frage ich mich aufs Neue, ob es mit wohl gelingt, das Blatt zu füllen. Das Einzige, was ich weiß, ist dass es jetzt schon oft gut geklappt hat mit dem Schreiben. Aber kann man deshalb wissen, dass es das nächste Mal wieder gelingen kann? Nein! Auch wenn die Wahrscheinlichkeit zugegebenermaßen recht groß ist, dass ein weiteres, neues Buch erscheinen wird…
Das Buch ist in jeder Buchhandlung bestellbar, es dauert etwas länger als ein Verlagsbuch, aber nur wenig.
Man kann natürlich auch direkt im BoD Shop bestellen und bekommt das Buch kostenfrei nach Hause geliefert.
Oder man bestellt das Buch bei mir direkt mit einer persönlichen Widmung. Leider kann ich es nicht kostenfrei verschicken und müsste für Porto und Verpackung zusätzlich zum Buchpreis 2,20 über Paypal berechnen.
Wo immer ihr es bestellt, ich bin dankbar für Rezensionen auf allen Plattformen, auf denen man Rezensionen hinterlassen kann, denn sie verhelfen dem kleinen Werk zu etwas mehr Sichtbarkeit.